Die Michaelskirche

Die Michaelskirche Meiringen zählt mit ihren Ausgrabungen zu den archäologischen Zeugen von nationaler Bedeutung und bildet zusammen mit der Burgruine, dem Turm, der ehemaligen Frühmesskapelle, dem Pfarrhaus und der Pfrundscheune eine Einheit verschiedener kulturgeschichtlicher Bereiche. Meiringen bietet mit diesem Ensemble auf engstem Raum einmalige Einblicke in Architektur, Zimmermannskunst, Schnitzlerei, Wandmalerei sowie mit der Orgel und der besonderen Akustik in der Kirche auch in musikalische Bereiche.
Lassen Sie sich in den Bann dieser Zeitzeugen ziehen…
Die 1684 durch Abraham Dünz I, Stadtbaumeister von Bern, erneuerte Kirche mit der genialen Dachstockkonstruktion und Tonnendecke von Melcher Gehren, ergeben einen akustisch hervorragenden Kirchenraum. Durch die Formgebung der Tonnendecke, den mehreckigen Chorraum und den federnden Fussboden ergibt sich eine optimale Klangwiedergabe. Die Konzerte werden zu einem musikalischen Hochgenuss.
Durch die schön geformten Holzsäulen wird der grosse Raum zu einer dreischiffigen Basilika, welche ungefähr 800 Sitzplätze anbieten kann. Der weite, etwas überhöhte Chorraum ist für Instrumentalisten wie geschaffen und bietet dem Zuhörer einen guten Überblick.
Die Geschichte der Michaelskirche reicht weit zurück und ist gekennzeichnet durch viele Naturkatastrophen. Unter der heutigen Kirche wurden anlässlich von Renovationsarbeiten im Jahre 1915 /16 Ausgrabungen vorgenommen. Was entdeckt wurde, ist von nationaler Bedeutung. Unter den von Wildbächen überführten Schuttmassen kamen die Mauerfragmente von Kirchenbauten zum Vorschein. Die ältesten Spuren sind dem 10. Jahrhundert zuzuordnen.
In einer Urkunde von 1234 wird erwähnt, dass König Heinrich von Hohenstaufen die Reichskirche zu Meiringen dem Orden des heiligen Lazarus (Kreuzritterorden) schenkte. In den Ausgrabungen können die Ruinen der Lazariterkapelle und des Lazariterturmes wie auch der Altarraum der Kirche, mit dem einmaligen Lettner aus dem 13. Jahrhundert, besichtigt werden.
Bereits im Jahre 1272 entschloss sich der Lazariterorden, die Kirche von Meiringen dem Augustiner Kloster in Interlaken zu verschenken; ein Verkauf war aus reglementarischen Gründen nicht möglich.
Der Grund für den Wegzug der Lazariter ist nicht bekannt. Dass das Kloster Interlaken mit der Schenkung bedacht wurde, liegt vermutlich daran, dass die Lazariter die Ordensregeln des heiligen Augustinus befolgten. Bis zur Reformation blieb die Kirche Meiringen unter der Obhut des Interlakner Klosters.
Text Samuel J. Widmer
Das Bild zeigt den Südaltar in den Ausgrabungen der Meiringer Kirche. Die Bogennische war der ursprüngliche Eingang zur einstigen Kapelle der Lazariter.
Auf dem Bild ist im Vordergrund die Chorschranke aus dem 13. Jahrhundert und dahinter der Hochaltar zu sehen.
Die Ausgrabungen sind täglich vom Morgen bis zum Abend öffentlich zugänglich.
Zur geführten Besichtigung der Kirche und den Ausgrabungen werden in den Sommermonaten Gruppenführungen angeboten.
Anmeldungen sind an das Sekretariat der reformierten Kirchgemeinde Meiringen zu richten.
Tel. 033 971 33 63
Fax 033 971 03 60
sekretariat@refkgm.ch
Die Michaelskirche Meiringen, Führungen in «Haslidiitsch» (Haslideutsch):
Mittwoch, 11. Juli / Donnerstag, 12. Juli / Freitag, 13. Juli 2012
17.00 – 18.00 Uhr, Besammlung vor dem Haupteingang der Kirche
Eintritt frei, Kollekte zugunsten der Ausgrabungen
Keine Anmeldung notwendig